Kaufsucht- Wenn Shoppen ein Problem ist

kaufsucht

Den unwiderstehlichen Drang einzukaufen verspürt zirka jeder 12. Mensch. Zusätzlich hat man festgestellt, dass das Kaufverhalten von jedem 5. so ausgeprägt ist, dass es in Kaufsucht übergehen könnte. Am stärksten Betroffen sind Frauen. Anscheinend sind generell und in beiden Geschlechtern Menschen unter dreissig Jahren besonders gefährdet. 

Unter Alleinstehenden ist die Zahl der Kaufsuchtgefähredeten doppelt so hoch wie bei Menschen, die einen Partner haben. Ursachen können unter anderem geringes Selbstwertgefühl, gestörte Impulskontrolle oder eine veränderte Wirkungsweise im Belohnungszentrum des Gehirns sein. 

Depressionen, Angst-, Zwangs- und Essstörungen sind häufige damit verbundene Krankheiten. Was manchmal als Frustkauf beginnt, kann zur Gewohnheit werden, mit der man kurzzeitig von negativen Gefühlen ablenken kann. Allerdings muss wie bei anderen Süchten (z.B. Alkohol, Drogen) mit der Zeit die Dosis gesteigert werden, um (kurzfristig) einen angenehmen Gefühlszustand zu erreichen.

 

Die typischen Folgen der Kaufsucht sind: Schwere finanzielle Probleme, Verlust von sozialen Netzwerken, Wohnung und Job. Medikamentöse Therapien und Psychotherapie (u.a. kognitive Verhaltenstherapie) dienen der Behandlung.

Ursachen der Kaufsucht

Kaufsucht entsteht häufig aus der Verhaltensgewohnheit, einzukaufen, um negative Gefühle zu verdrängen - der klassische Frustkauf. Diese Gewohnheit wird bei manchen zur Sucht, zum einzigen Verhaltenmuster, mit dem ein angenehmer Gemütszustand erreicht werden kann. Die von der Kaufsucht Betroffenen haben nicht gelernt, mit negativen Gefühlen auf konstruktive Weise umzugehen.

 

Als Ursachen der Kaufsucht werden verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen. Einerseits könnten Hirnprozesse - vor allem die Ausschüttung von "Glückshormonen" - für das zwanghafte Kaufen verantwortlich sein. Andererseits wird auch mangelnde Impulskontrolle, also die mangelnde Kontrolle über plötzlich auftretende Wünsche, als Grund für Kaufsucht genannt.

 

Zudem kaufen viele Betroffene ein, um ihren niedrigen Selbstwertgefühl zu heben. Kaufsucht ist allerdings auch ein kulturelles Phänomen: Sie kommt lediglich in westlichen Ländern vor, in denen (zu) viele Güter zur Auswahl stehen und die Menschen auch über ein regelmäßiges und gutes Einkommen verfügen.

Diagnose Kaufsucht

Kaufsucht bleibt oft lange unerkannt, da das Einkaufen bis zu einem gewissen Grad zum täglichen Leben dazugehört. Kaufsüchtige verstecken oft ihre Einkäufe aus Scham vor Angehörigen und Freunden. Wenn die Betroffenen nicht selbst Hilfe suchen, wird das Problem oft erst dann entdeckt, wenn die finanziellen Probleme bereits sehr groß sind.

 

Die Diagnose Kaufsucht kann mithilfe von verschiedenen Fragebögen in Kombination mit einem eingehenden Gespräch über Kaufwünsche und -gewohnheiten mit Arzt oder Therapeut gestellt werden. Zudem sollten stets eventuell bestehende andere psychische Störungen und Abhängigkeiten angesprochen werden, um einen integralen Therapieplan aufstellen zu können.

Kaufsucht Therapie

Für die Behandlung von Kaufsucht kann man auf unterschiedliche Herangehensweisen zurückgreifen. Entweder kann mit Medikamenten gearbeitet werden: Hierfür werden unter anderem Mittel zur Bekämpfung von Sucht (wie bei Alkoholabhängigkeit) oder Depressionen verabreicht. Gerade wenn Patienten zusätzlich zur Kaufsucht auch an Depressionen leiden, macht eine medikamentöse Therapie besonders Sinn.

 

Andererseits werden mit Erfolg kognitiven Verhaltenstherapie, auch in Gruppensitzungen, angewandt. Dabei geht es vor allem darum, unpassende Gedanken und Gefühle wie z.B. "Wenn ich das nicht heute kaufe, bekomme ich es dannach nie wieder so günstig" oder "Der Kauf dieses Kleids wird mich endlich wieder glücklich machen" vom Akt des Einkaufens zu entkoppeln.

 

Neuerdings geht man allerdings dazu über, das Suchtverhalten eher als Symptom oder Folgestörung zu sehen. Das bedeutet, dass nicht nur das zwanghafte Kaufen behandelt wird, sondern vielmehr das eigentliche zugrundeliegende Problem.

 

Dieses ist in der Regel, dass die kaufsüchtige Person nicht gelernt hat, mit negativen Gefühlen auf angemessene und konstruktive Weise umzugehen. In der Psychotherapie müssen die Betroffenen daher lernen, sich mit diesen Gefühlen zunächst auseinanderzusetzen und dann andere Strategien zu entwickeln, als bei schlechter Stimmung einkaufen zu gehen.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Sich einzugestehen, dass das ständige Einkaufen zu einem Problem geworden ist, ist der erste Schritt zur Besserung. Betroffene sollten ihr Leben wieder mit anderen Aktivitäten bereichern und sich neue Aufgaben und Hobbys suchen. Diese lenken vom Kaufzwang ab und bieten Möglichkeiten, Glücksgefühle auch durch andere Verhaltensweisen herbeizuführen.

 

Zusätzlich können Betroffene auf Kreditkarten verzichten, um das zu unbedachte Geldausgeben einzuschränken, und nur in Begleitung von nicht Kaufsuchtgefährdeten einkaufen gehen. Auch das Führen eines Haushaltsbuches, in dem die Ausgaben notiert werden, kann bei Kaufsucht helfen.

 

In zahlreichen Städten gibt es mittlerweile auch Selbsthilfegruppen für Kausüchtige. Im Internet kann man einfach Anlaufstellen finden, die den Betroffenen weiterhelfen können.

 

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