7 Tipps für die Wahl des richtigen Taschenmessers im Outdoor

Taschenmesser Outdoor

Das erste eigene Taschenmesser war wohl das schönste Geschenk in meiner Jugendzeit. Wenn ich unter der Anleitung vom Opa die erste Pfeife aus einem Stück Schilfrohr geschnitzt hatte und in späteren Jahren so manche Abenteuer erlebte – das Messer war immer der beste Freund an meiner Seite.

Auch heute ist das Taschenmesser, ob zusammenklappbar oder feststehend in allen Outdoor-Lebenslagen eins der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände.

 

Doch was ist nun das Nonplusultra unter den Messern? Gibt es so etwas wie das perfekte Taschenmesser?

Das konnte ich mit den anderen Messerliebhabern bislang nicht einstimmig ausdiskutieren – daher nenne ich nachfolgend die wichtigsten Tipps für eine gute Entscheidung, die letztendlich jeder für sich selbst trifft.

 

Bei der erschlagenden Auswahl aller möglichen Messer-Modelle stellt sich die Frage nach den primären Eigenschaften des Wunschmessers. Das Wichtigste dabei ist es, sich im Klaren darüber zu sein, was man mit dem Messer anstellen möchte - möchte man damit vorrangig Obst schälen, Holz schnitzen, Wild zerlegen oder Bushcrafting betreiben?

 

1. Die richtige Größe

Ein kompaktes EDC (Every day carry) hat maximal 6,5 cm Klingenlänge, womit es der Bezeichnung “Taschenmesser” gerecht wird. Dieses hat man immer dabei - es ist leicht, handlich und das Gewicht merkt man in der Hosentasche oder im Rucksack kaum.

 

Mittelgroße Messer haben eine bis zu 9,5 cm lange Klinge. Beliebteste Vertreter dieser Klasse sind Fahrten- und Überlebensmesser mit einer Drop-Point-Spitze. Diese, oft auch als  Jagdmesser verwendeten Werkzeuge besitzen eine breitere, steife Klinge mit genügender Masse.

 

Aktive Bushcrafter brauchen größere Messer für grobe Holzarbeiten, Unterkunftsbau oder fürs Survival.

 

2. Klappmesser oder feststehende Klinge?

Ein feststehendes Blatt hat seinen Platz im passenden Gürtelholster, ein Klappmesser verschwindet unauffällig in der Hosentasche.

 

Im ersten Fall kann die starke Klinge als Hebelwerkzeug genutzt werden, im zweiten Fall liegt der Fokus auf geringem Platzverbrauch.

 

Tipp: Für den Durchschnittsnutzer sind Klappmesser aufgrund der besseren Transportierbarkeit und einfacheren Bedienung vorzuziehen.

 

3. Glatte Klinge oder mit Wellenschliff?

Daneben kann die Kante glatt, gezackt oder als Kombiklinge beide Schliffarten vereinen.

 

Generell empfiehlt sich bei häufiger Benutzung eine glatte Klinge, da diese einfacher nachzuschärfen ist. Müssen Sie regelmäßig dicke Seile oder Äste durchschneiden, empfiehlt sich ohnehin eine Handsäge, es sei denn man legt es gezielt auf Survival an.

 

4. Rostend oder rostträge

Die Stahlsorte beeinflusst maßgeblich die Schnitthaltigkeit bei täglichem Einsatz. Harter Carbonstahl rostet schneller, bleibt dafür länger scharf und ein Nachschleifen ist seltener nötig, ist aber auch etwas schwieriger, als bei weicheren Edelstahlklingen. Etwas Pflege ist ebenfalls angesagt, damit Flugrost keine Chance hat.

 

Rostfreie Edelstahlklingen verlieren schneller ihre Schärfe, sind dafür leichter zu schärfen. Für den handfesten Outdoor-Einsatz sind sie daher weniger empfehlenswert, da harte Arbeiten mit Holz schnell zu stumpfen Klingen führen.

 

Tipp: Carbonstähle sind zwar rostanfälliger, aber bei einem kurzen Ausflug und etwas Pflege wird Ihnen keine Klinge in der Hand wegrosten.

 

5. Alles im Griff!

Ein gut geformter Griff sorgt für effiziente Kraftübertragung und produziert so schnell keine Blasen in der Hand.

 

Vor allem das Material entscheidet über Rutschfestigkeit.

Bei Feuchtigkeit empfehlen sich profilierte Ebonit-Hartgummi-Griffschalen, ein kleines Schnitzmesser darf gern einen schlanken Griff aus Holz haben.

 

Tipp: moderne Kunststoffgriffe sind klassischen Holz- oder gar Horngriffen in fast jeder Hinsicht überlegen und sind daher die erste Wahl für Pragmatiker.

 

Bei kalter Witterung sollte das Messer mit dicken Handschuhen gut zu führen sein. Jetzt ist auch ein praktikabler Mechanismus beim Klappmesser gefragt. Kann es mit einer Hand bedient werden, gibt es Unterstützung beim Öffnen und ist der Klappmechanismus verriegelbar?

6. Mehr als ein cooler Look: Beschichtungen

Die Klingen taktischer Messer erhalten meist ein schwarzes Finish, um Reflexionen durch Sonnenschein auszuschalten. Eine graue Mattierung ohne Beschichtung erbringt Glasperlen- oder Sandstrahlen.

 

Bessere Gleiteigenschaften und Widerstandsfähigkeit bewirkt die “Cerakote”-Keramikbeschichtung auf Klingen, einzig bei Metall-Metall-Kontakt treten Gebrauchsspuren auf.

 

Am meisten halten DLC-veredelte Klingen aus. “Diamond-like Carbon” nennt sich eine extrem harte Beschichtung auf Metallen, die haftfest durch kohlenstoffhaltiges Plasma abgeschieden wird.

 

Tipp: im alltäglichen Einsatz ist ein Messer ohne Beschichtung vorzuziehen, um Gebrauchsspuren zu vermeiden und um es schneller wiederzufinden, falls es mal runterfällt.

 

7. Lohnen sich Multi-Werkzeuge?

Eine winzige Schraube eindrehen (falls man sie wiederfindet) oder einen Korkenzieher für die Rotweinflasche brauchen Sie wahrscheinlich im Gelände eher selten.

 

Das traditionelle Victorinox Schweizer Messer mit einem ganzen Fächer verschiedener Mini-Tools stellt bestenfalls eine Ergänzung für den Outdoor-Einsatz dar.

 

Der optimale Helfer in den meisten Situationen ist ein stabiles Einklingen-Taschenmesser mit glatter Klinge.

 

Sind vor dem Gesetz alle Taschenmesser Waffen?

Nein, denn nach Paragraf 42a des deutschen Waffengesetzes ist das Tragen von Einhand-Klappmessern und Messern mit feststehenden Klingen über 12 cm Länge verboten. Ebenso betrifft diese Vorschrift Attrappen (Anscheinswaffen) sowie Hieb- und Stoßwaffen.

 

In geschlossenen Behältnissen, wie einem Rucksack oder dem Kofferraum, ist das Mitführen in der Öffentlichkeit erlaubt. Dies gilt nicht bei Flugreisen: Bei der Kontrolle werden Messer im Handgepäck oder an der Kleidung meist unwiederbringlich konfisziert.

 

Fazit

Welches Taschenmesser Sie auch auswählen, kaufen Sie nur bei vertrauenswürdigen Händlern – Schnäppchen zum halben Preis sind meist minderwertige Kopien und eine echte Gefahrenquelle dazu.

 

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